siehe Text
Tag der Artenvielfalt auf einer im wahrsten Sinne des Wortes „sehr jungen“ Fläche,dem „Biotopacker“ in Eglsee bei Ering
Treffpunkt zur Abendveranstaltung (Nachtfalterlichtfang, Fledermausexkursion
- Freitag, 11. Juni, 21.00 Uhr am Vogelturm in Eglsee, 94140 Ering
Treffpunkt zur Hauptveranstaltung (Tiere, Pflanzen)
- Samstag, 12. Juni, 09.00 Uhr am Vogelturm in Eglsee, 94140 Ering
Mitmachen können alle interessierten Naturfreunde
Gebietsbeschreibung
Das Gelände, welches am Tag der Artenvielfalt genau unter die „Lupe genommen“ werden soll, liegt im Inntal - genauer gesagt, zwischen den Ortschaften Prienbach und Ering und hat eine Fläche von ca. 20 ha. Es wird auf der Nordseite von der 1. Niederterassenkante und im Westen und Süden vom Damm, der hier auf die Terassenkante anschließt, begrenzt. Im Nordosten und Osten bildet ein teilweise verlandetes Altwasser und eine landwirtschaftlich genutzte Ackerfläche die Untersuchungsgrenze. Mit ca. 330 m über dem Meeresspiegel stellt die Fläche mit den tiefsten Punkt des Landkreises Rottal-Inn (326 m/NN) dar.
Nach der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 bis 15.000 Jahren flossen durch das Inntal mehrere 10.000 m³/sec. Schmelzwasser aus dem über 26.000 km² großen alpinen Einzugsgebiet, welches kilometerdick mit den eiszeitlichen Gletschern überzogen war. Die Wassermassen „nagten“ sich durch das Tertiär und auch durch die kalkreichen Ablagerungen der Süß- und Brackwassermolasse bis auf die darunter liegenden Schichten der Meeresmolasse. Als die Gletscher der Eiszeit immer weniger Schmelzwasser lieferten, zog sich der Inn schrittweise zurück und bildete mit den aus den Alpen antransportierten Schottern (Kies) die sogenannten Niederterassen aus. Zu dieser Zeit - vor ca. 8000 – 10000 Jahren - schaffte der bis dahin gewaltige Alpenfluss „nur noch“ ca. 1000 m³/sec. Wasser aus den Alpen und damit etwa die heutige Wassermenge heran. Durch die um ein vielfaches geringere Schleppkraft wurde das „ausgeschürfte Tal“ (ehemaliges Flußbett) mit Schotter aus den Alpen aufgefüllt. Durch die jährlichen Sommerhochwässer, die durch die Schneeschmelze aus den Alpen verursacht wurden, verlagerte sich der Lauf des Inns immer wieder und es entstand zwischen den seitlich begrenzenden ersten Niederterassenkanten ein breites sich bis zu 2 km erstreckendes Umlagerungsgerinne, in denen es verschiedene sich ständig im Wandel befindliche Schotter- und Sandauf- und umlagerungen gab (jetzige Form der Untersuchungsfläche). Zwischen sanftem Gleitufer mit Sandbänken und tiefen reissenden Rinnen mit Prallufern wechselte der Fluß häufig seinen Verlauf (vergleichbar dem Tagliamento in Norditalien).
Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Fluss, der bis dahin häufig für Überschwemmungen sorgte, von den immer weiter ins Tal „vorrückenden“ Menschen zum ersten mal „gebändigt“. Aus dem breiten Umlagerungstal wurde ein schmales, kaum 200 m breites, kanalartiges Gerinne. Beidseitig durch Dämme befestigt, waren zwar die Hochwässer gebändigt; um so mehr erodierte der Fluss mit seiner Kraft dann die Sohle und begann diese immer stärker „anzunagen“. Schließlich drohte an einigen Stellen die Sohle „durchzubrechen“, was schwerwiegende Folgen für den Grundwasserhaushalt der umliegenden Gebiete und somit auch für die Landwirtschaft gehabt hätte. Nur ca. 60 Jahre nach der Einengung des Flusses war damit ein Zustand erreicht, der irreparable Folgen für einen weites Umfeld im Inntal gehabt hätte.
Auf den hinter den damaligen Dämmen liegenden ehemaligen Umlagerungsbereichen waren inzwischen heideartige Flächen entstanden. Sie wurden von der Landbevölkerung mit Tieren beweidet. Auf höhergelegenen Zonen entstanden auch kleinere Gehölzinseln, welche sich immer stärker ausbreiteten.
Im Jahre 1942 wurde dann aufgrund der Kriegsfolgen Energie für die nahegelegene Rüstungsindustrie benötigt und bei Ering, an einer schon immer schmaleren Stelle am Inn (Urfahr) ein Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung fertiggestellt. Der Aufstau des Inns um ca. 10 m machte „neue“ seitliche Dämme notwendig, die aufgrund der zeitlich dringend benötigten Energie im Vergleich zu heutigen Anlagen weit nach „aussen“ gesetzt wurden, um schnell das natürliche, vom Inn geschaffene Hochufer (erste Niederterassenkante) zu erreichen. Auf der von uns untersuchten Fläche trifft der Damm auf dieses Hochufer. Unsere Fläche liegt heute also sozusagen „unter Wasser“, wäre da nicht der Damm. Die Entwicklung des ausgedeichten Inntals hin zu einem Auwald dauerte nicht mehr lange, insbesondere als die Landwirtschaft weg von der Beweidung und hin zur Fleischproduktion in Ställen ging, was wiederum durch die Kriegsjahre und der Zeit danach begründet war.
Gerade mal 100 Jahre hatte der Auwald Zeit, sich auf den Schotter- und Sandflächen auszubreiten. Auf vom Grundwasser abgeschnittenen Bereichen mit groben Schottern (sehr wasserdurchlässig) konnten sich einzelne sogenannte „Brennen“ bis in die jüngste Zeit erhalten, auf denen auch zahlreiche Alpenschwemmlinge aus der Pflanzenwelt überleben konnten. Anfang der 60er Jahre war es endgültig vorbei mit der Weidewirtschaft, die bis dahin nur mehr auf kleineren Flächen betrieben wurde. Auch ein großer Teil des Auwaldes musste dem Druck der Landwirtschaft weichen und auf den im Laufe von ca. 100 Jahren sich mit Auwald bestockenden Flächen wurden immer mehr Wiesen zur Gewinnung von Heu angelegt und so wurden viele 1000 ha Auwald gerodet. Schon Mitte der 60er Jahre wurden die heute noch auwaldfreien Bereiche unserer Untersuchungsfläche in Wiese und kurze Zeit später (ca. 5 Jahre) in Acker umgewandelt und fast ausschließlich mit dem damals aufkommenden Mais bepflanzt. Aber auch diese Zeit sollte die Fläche nicht lange „ertragen“ müssen, bevor sie im Jahre 1998 über das Life-Projekt „Unterer Inn mit Auen“ vom Landkreis Rottal-Inn angekauft und bis heute durch die Gestaltung verschiedener Bereiche in den sogenannten Biotopkomplex „Biotopacker bei Eglsee“ umgestaltet wurde.
Auf einer Fläche von ca. 80.000 m² wurde der nährstoffreiche, mit Pestiziden belastete Oberboden abgetragen und abgefahren. Einige Bereiche (ca. 1 ha) wurden weiter bis zum Grundwasser abgetragen und es entstanden grundwassernahe Standorte. An anderen Stellen wurden Tümpel, Teiche und altwasserähnliche Wasserflächen angelegt. Mit Mähgutübertragung (Diasporen) aus noch intakten Terassenkanten und aus wieder aufgelichteten Brennen wurde versucht, wiesenartige Bestände auf den offenen Schotter- und Sandflächen anzulegen. Durch regelmäßige Mahd sollen sich dauerhaft artenreiche Wiesengesellschaften ausbilden und das Überleben zahlreicher Arten sichern.
Der Tag der Artenvielfalt soll zeigen, was aus der seit ca. 10 Jahren angelegten Fäche entstanden ist und was in den seit ca. 120 Jahren aufwachsenden Auwäldern noch geblieben ist.
Lassen wir uns überraschen, wie viele und vor allem welche Arten wir 2010 auf der Fläche finden werden.
Daten zu der Fläche:
Gesamtfläche Untersuchungsgebiet: 20 ha.
Aufteilung in einzelne „Lebensraumzonen“:
Auwald 8 ha
Biotopacker (Wiesen angelegt) 8 ha
Altwasser/Tümpel usw. 1 ha
Damm und Sickergraben 3 ha
Zusammen 20 ha
Beobachtungsflächen:
Beobachtet werden alle Arten, die auf der abgegrenzten, ca. 20 ha umfassenden Fläche gesehen und bestimmt werden.
Ausnahme: Bei den Vögeln werden alle Arten notiert, die von der abgegrenzten Fläche aus zu sehen sind (Fernglas/Spektiv). Also auch Arten, die in der Eglseeer/Heitzinger oder Mühlauer Bucht usw. sicher bestimmt werden können.
Alle Beobachtungen sollen möglichst genau einem Bereich zugeordnet werden (Luftbild mit Bereichsabgrenzungen und Bereichs Nr.).
Dokumente
| 20100628121437177.pdf | leere Beschreibung |
| Bericht.pdf | leere Beschreibung |
| Bericht1.pdf | leere Beschreibung |


Veranstalter: Bund Naturschutz, Ortsgruppe Unterer Inn / Zoologische Gesellschaft Braunau
![]() ![]() | "Biotopacker" in Eglsee bei: Ering Land: Deutschland Datum: 11.06.2010 Teilnehmerzahl: 40 Ansprechpartner: Walter Sage |
Artenfunde (663)

Beobachtungen (zu naturgucker.de)
Arten als Stammbaum
Arten als Excel-Datei
